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WEITERE ANGEBOTE

 Yoga-Üben mit Affirmationen

Die Gleichzeitigkeit von gedachten oder gesprochenen Sätzen mit körperlichem Tun bringt die Ebenen der Persönlichkeit - Körper, Geist, Seele und Atem - in Einklang. Es ist ein sehr direkter Weg, die Yogapositionen als Ausdruck grundlegender menschlicher Verhaltensmöglichkeiten zu erleben und die subjektiven Spielräume, das eigene Verhaltensrepertoire zu erweitern, ja, ungewohnte neue Verhaltensmuster auszuprobieren.

Sätze in der Ich-Form und mit der Formulierung von Tätigkeiten sind besonders geeignet, denn sie vermitteln den Übenden die Botschaft, dass sie selbst die GestalterInnen und SchöpferInnen ihres Lebens sind. Sie erinnern uns an schlummernde, vielleicht ungenutzte oder auch verkannte oder abgelehnte Potentiale in uns – und laden ein, uns diese Ressourcen anzueignen, sie in das Spektrum unseres im Alltag zugänglichen Bewusstseins hereinzuholen. Gedanken sind Energie – dürfen sie in den Vordergrund rücken, werden sie auch fassbarer und beginnen, in das Handeln hineinzuwirken.
Sprache ist ein machtvolles Instrument;  für solche Affirmationssätze ist es noch bedeutender als im Alltag, dass wir positiv formulieren, frei von Wertungen oder festgelegten, letztlich beengenden Gefühlsäußerungen. So können schlichte, klare und präzise ausformulierte Sätze der Bereicherung des Lebens dienen.

Die Gestalttherapeutin Konstanze Quirmbach formuliert es so:
„Mit Affirmationen bietet sich ein kontrollierter Weg des Denkens an. Kurze, positive und unterstützende Sätze schaffen ein neues Flussbett, in dem der Gedankenstrom weiter fließen kann. Es ist ein sehr begrenztes Bett, das den Gedanke sicher führt. Die Kürze und Klarheit des Satzes hilft die Kontrolle zu behalten, und nicht einfach nur einen neuen Gedankenstrom zu erzeugen, der schon bald wieder ins Unbewusste versickert.

Der erste Schritt, eine positive, bewusste Denkhilfe durch eine Affirmation anzubieten, kann sich in weiteren, nachfolgenden Schritten auswirken. Der Fluss fließt und wird sein Ziel finden, wenn er in die richtige Richtung gelenkt wird.“ (aus einer Gedankenkonzeption zum Buch „Ich bin da“)

Manipulieren Affirmationen die Übenden?

Yoga ist ein Weg der Erfahrung, jeder Mensch braucht dabei den Freiraum für eigenes Erleben und Erkennen.
Die übergeordneten Ziele von Yoga-Unterricht wie z.B. Selbstwahrnehmung fördern, eigenes Erfahren in Gang bringen, Eigenverantwortung stärken sollten uns präsent sein, wenn wir ergänzende Methoden wie Affirmationen hinzunehmen. Der Unterricht muss frei von Beeinflussung, frei von geistiger Gewalt bleiben, Vorgeben von scheinbar allgemeingültigen – körperlichen oder seelischen -  Wirkungen stören den persönlichen Entwicklungsweg.

Asanas sollen die KursteilnehmerInnen zunächst ganz sachlich erproben und kennenlernen; ihren Nutzen entfalten sie am deutlichsten ohne allzu zielgerichtete Intentionen. Das Augenmerk kann ja bei unterschiedlichen Menschen und an unterschiedlichen Tagen variieren - alle Hundstellungen sind wertvoll, ob ich auf die Dehnung der Rückenmuskeln achte, die Stellung der Füße fokussiere oder zum Beispiel verstärkt mit dem Atem arbeite...

Ein leichter Zugang zur geistig-seelischen Dimension des Yoga

Der Affirmationssatz ist ein Angebot an die Übenden, eine zusätzliche Möglichkeit, die Übung zu vertiefen.
Ähnlich dem Tönen oder Rezitieren während der Asana-Praxis erhalten die Übenden eine weitere Hilfe der Sammlung, die das Abschweifen der Gedanken mindert und stattdessen zur Selbstreflexion anregt.
Affirmationen gehen dabei einen modernen Weg der Freiheit und Individualität.

Ein bewährtes Übungsbeispiel-Beispiel: Die erleichterte Sonnengrußvariante mit Affirmationen zur Stressbewältigung (siehe auch DYF 3-08)

Zu den sechs Sätzen möchte ich im Folgenden einige weiterführende Fragen für die individuelle Betrachtung ergänzen.

  1. Ich bin da

    Kann ich mir Selbstzuwendung schenken?
    Kann  ich mich auf die ungewohnte Geste, die Hände wie bei einem Gebet zusammengelegt, einlassen?
    Kann ich ein Gefühl von Innigkeit aufkommen lassen?                                                                   

 

  1. Ich stehe für mich ein

Kann ich die Spannkraft halten von den Füßen bis zu den Fingerspitzen, meine Kräfte gut einteilen, ohne mich zu verausgaben?
Macht es mir Freude,  vollen Einsatz für mich selbst zu zeigen, Trägheit zu überwinden?
Setze ich mich offen, aufmerksam und interessiert  mit dem, was mir begegnet, auseinander?
Kann ich eine gesunde Portion Aggression aufbringen, um meinen Platz in der Welt einzunehmen, meinenStandpunkt, meine Grundbedürfnisse zu vertreten?

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  1. Ich gebe nach

Kann ich Schwächen eingestehen? Kann ich Passivität zulassen und nach einer Atempause neue Energie entwickeln?
Kann ich mich der Natur annähern und mich ihr anvertrauen?

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  1. Ich bin in meiner Kraft

Kann ich genau unterscheiden, was ich brauche, was mir schadet? Was schmerzt oder was wohltuend ist?
Glaube ich an meine Kraft? Kann ich entdecken, was ich alles vermag, wenn ich meine Kräfte gut einsetze?
Welches sind im Leben meine besonderen Gaben und Aufgaben? Bei welchen Arbeiten und Begegnungen kann ich mit Überzeugung sagen, dass ich ganz da bin, meine Talente lebe?

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  1. Ich sehe die Welt neu

Kann ich  behutsam und achtsam vorgehen?
Kann ich vorgefertigte Urteile auflösen und offen werden für neue Perspektiven?
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6. Ich ziehe mich zurück

Kann ich abwarten, mich auf die Beengtheit einlassen  - und sie Ruhe verwandeln?
Kann ich Bequemlichkeit finden und die Geste des Aufgebens von Eigenwille zu einem erholsamen Auftanken werden lassen?
Darf ich klein sein bis hin zum Gefühl der Ohnmacht – aber darin auch genussvolle Stille erleben? Kann ich dem eigenen Innenleben vertrauen, das mich wie von alleine zu frischen Impulsen und zum Wiederauftauchen aus der Eingeschlossenheit führen wird?

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Erfahrungen aus dem Unterricht:

Ausgehend von der Basis guter Kursarbeit müssen Übungen und Affirmationen natürlich für die jeweilige Gruppe passen; zusätzlich nehme ich eine „situative Prüfung“ vor, spüre, ob der Satz wirklich an diesem Tag authentisch von mir ausgesprochen werden kann, ob die eigene Gestimmtheit und das Engagement da sind, in die subtile Arbeit mit Affirmationen einzusteigen; prüfe auch, welche Signale, freudige Resonanz oder auch Widerstände aus der Gruppe auftauchen. Nur so kann es von der technischen Übung in Richtung „echte“ Erfahrung gehen.

Gerade Kursteilnehmerinnen, die auch eigenständig zuhause üben, haben mir rückgemeldet, dass es ihnen gut tut, und sie den Gehalt der Übung/Affirmationen am besten erfassen können, wenn diese über einige Wochen hinweg von mir ähnlich unterrichtet werden.

Sätze verändern sich wie das Leben: Ich möchte dies am Beispiel der Hocke (Utkasana) erläutern. Das Hocken auf dem Boden ist für mich immer eine der am meisten erdverbundenen Haltungen, die uns lehren kann, die eigene Gesundheit und gutes Verdauen wertzuschätzen, unsere Basis der Ernährung durch die Früchte des Bodens zu achten, uns unser Eingebundensein in die Zyklen der Natur bewusst zu machen. Ich habe dies in der Affirmation „Ich nehme Teil am Leben auf der Erde“ (siehe CD) ausgedrückt; je nach Stundenthema und körperlichen Vorrausetzungen der Teilnehmenden kann ich in verschiedenen Varianten fließend oder statisch üben, Hilfsmittel einsetzen oder nicht, die Wahrnehmung der Füße, des Beckens oder des Rückens in den Vordergrund stellen. Wenn mir der Gehalt der Position ein besonderes Anliegen ist, kann ich dies mit einer Affirmation unterstützen wie oben genannt oder in anderen Facetten wie „Ich komme an auf der Erde“, „Ich bin ein Naturwesen“ oder „Ich bin eingebunden in das Wachstum auf der Erde.“

Möglichkeiten zum Umgang mit Affirmationen im Unterricht:

Eigene Erfahrungen als Übende und Schülerin:

Ich habe erlebt, wie Affirmationen, die ich von anderen aufgenommen habe, über Jahre hinweg in mir arbeiten und meine eigenen Grenzen erweitern:
Ich hatte mir eine Bewegungsreihe angeeignet, die ich nur kurz in der Praxis kennengelernt hatte und dann mithilfe eines Buches des Lehrers meiner Lehrerin vertieft hatte, wo ein Satz vorgeschlagen wurde, der mir jahrelang nicht über die Lippen kam – die Formulierung war „Ich bin dankbar für alles“. Wie sollte ich das verstehen oder für mich nützlich und praktikabel anwenden? Ich probierte unterschiedliche Nuancen wie

Diese Versuche zeigen eine Annäherung an die Sichtweise, dass Dankbarkeit hier nicht die Verpflichtung bedeutet, ein anerzogenes Danke zu sagen, sondern dass es um eine Einstellung dem  Leben gegenüber geht.
So hat mein Reiben mit der vorgegeben Formulierung zu einem inneren Aufbereiten des Themas geführt.

Ein anderes Beispiel ist meine Erfahrung mit einem Satz, den ich jahrelang angewendet, aber wenig beachtet hatte, vielleicht hatte ich ihn mehr physisch verstanden, oder er war einfach schlicht genug, um weder besondere Berührung noch Ablehnung in mir wachzurufen: es ist der Satz „Ich gebe mir Raum“. Auch diese Affirmation ist Teil einer Bewegungsreihe, die ich von meiner Yogalehrerin Mira Müller-Grosse lernte. Nach einigen Jahren entdeckte ich den Satz als den für mich gerade passenden -  fühlte mich bestärkt auf meinem Weg, meiner Kreativität Raum zu geben, mir Zeit dafür einzurichten, selbst geschaffenen Schätzen Wert und Beachtung zu schenken.

Martha M. Fritsch

Literatur und Informationen:

 







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