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WEITERE ANGEBOTE

Yoga in Bosnien – Yoga in der Welt

Im März 2008 besuchte ich zum zweiten Mal ein Sozialzentrum in der bosnischen Stadt Sanski Most und gab dort mehrere Yoga-Workshops. Wie es dazu kam, was mich bewegt und berührt hat, möchte ich gerne in diesem Bericht mit anderen Menschen teilen.

Wie es zu dem Kontakt kam:
Durch meine Yogalehrerin Mira Müller-Grosse, die das Projekt „Therapeuten ohne Grenzen“ initiiert hat, (s. auch DYF 2/06 und www.yogamira.de) bekam ich Kontakt zu Adisa Hotic, Gründerin und Leiterin des Zentrums „Fenix“. Im Frühjahr 2006 konnte ich dort bosnische Hebammen im Bereich Yoga für Schwangere weiterbilden. Auch drei andere Yogalehrerinnen haben in den letzten Jahren, angeregt durch Miras Kontakte, Techniken und soziale Kompetenzen an engagierte Menschen  aus helfenden Berufen in Sanski Most ehrenamtlich weitergegeben.
2007 war die junge Hebamme Emina Majdankic, Mitarbeiterin in dem innovativen Mutter-Kind-Projekt innerhalb von „Centar Fenix“ auf Einladung des Bundes Deutscher Hebammen (BDH) und von Institut Mandala  dreimal in Deutschland und konnte sich intensiver im Yoga weiterbilden. So ist die persönliche Beziehung zwischen uns gewachsen, und die zweite Reise fühlte sich an wie ein Besuch bei nahen Verwandten.
Diesmal hat mich Petra H. begleitet, eine langjährige Yogakursteilnehmerin und Schulpsychologin, die in Bosnien eigene Kontakte zu LehrerInnen knüpfen konnte und in einer Berufsschule ein Training zur Gewaltprävention bekannt machte.

Was Centar Fenix ist:
Fenix ist eine sehr kreative Einrichtung, gegründet von der  Hebamme Adisa Hotic, die aus ihrer Zeit als Kriegsflüchtling in Deutschland viele Ideen und Kontakte mitbrachte. Sie initiierte als erste in Bosnien Geburtsvorbereitungskurse und gründete den bosnischen Hebammenverband.
Durch das Engagement einer kleinen Gruppe von Menschen hat Fenix inzwischen eine Küche für alte Menschen, eine Wäscherei, bietet Kinderbetreuung an, Weiterbildungen für andere HelferInnen und eben das Projekt «Innovative Mutter-Kind-Arbeit».
Für das neue große Projekt Altenheim gibt es jetzt erstmalig auch Unterstützung durch den bosnischen Staat, aber all die anderen sozialen Aufgaben sind noch immer nur durch Gelder von deutschen Stiftungen erfüllbar.
Die jahrlangen Deutschlandaufenthalte mehrerer der Mitarbeiterinnen haben jetzt den Vorteil, dass für müheloses Verständigen und Übersetzen gesorgt ist.

Wie die Situation in Bosnien ist:
Zwölfe Jahre nach dem Krieg  gibt es einerseits Aufbruchsstimmung, man sieht viele neue Häuser und Geschäfte, andererseits sind auch  Lethargie und Depression verbreitet.
Die Menschen haben tiefe Erschütterungen, Verunsicherungen und Entwurzelung erlebt, Häuser und Existenzen sind zerstört worden, Familienmitglieder sind getötet worden, kaum noch jemand wohnt an dem Ort, wo er oder sie aufgewachsen ist.
Bosnien-Herzegowina ist eine Föderation, in der die Ethnien der Bosnier, der Serben und der Kroaten immer wieder neu Konsenz finden müssen; der bosnische Teil des Landes ist überwiegend islamisch, ist das einzige muslimische Land mit europäischem Hintergrund. Viele Menschen wenden sich jetzt  verstärkt dem Islam zu, er ist Teil der neuen nationalen Identität.

Bosnien ist ein schönes Land, von sauberen Flüssen durchströmt – aber auch noch mit Minenfeldern in vielen Wäldern.
In diesem Land, das so nahe an Mitteleuropa ist, dessen Menschen uns ganz vertraut sind,  und das doch sehr anders und fremd ist, arm, noch weitgehend ohne soziale Sicherungssysteme, voller Trauer und voller unfertiger Veränderungen – hier fiel Yoga auf einen solch empfangsbereiten Boden wie die ersten Sonnenstrahlen auf ein Feld, das lange unter der Schneedecke des Winters verborgen war.

Was ich gemacht habe:

Eine wichtige Übung in all diesen Kursen war die Sequenz «Gruss an die Erde», eine fließende und kraftvolle Abfolge im Stehen – die sich selbstverständlich je nach Zielgruppe kürzen oder erleichtern lässt. Die Reihe wirkt besonders zentrierend und bringt die eigenen Kräfte mit der Welt um uns herum in Harmonie; sie stärkt die zentrale Achse zwischen Himmel und Erde und die Aufrichtung des Individuums  und fördert zugleich die Öffnung des Herzens und das Erleben der Verbundenheit mit anderen Menschen. Der Gruß an die Erde vermittelt Ruhe und Sicherheit und ist besonders gut zur Stabilisierung traumatisierter Menschen geeignet.

In den Workshops für die besonders interessierten Frauen habe ich darüber hinaus eine erleichterte Variante des Sonnengrußes mit Affirmationen zu Stressbewältigung eingeführt (s.a. www.mandala-wetzlar.de/Yoga/Übungsbeispiel) Die Zweisprachigkeit macht den Unterricht für alle Beteiligten besonders achtsam: durch das Übersetzen dauert alles etwas länger, Sprechen und Zuhören werden genauer – kleine Missverständnisse und Nachfragen schärfen die präzise Wahrnehmung oder bringen neue Ideen. So entstand zum Beispiel die Methode, die Affirmationen gemeinsam laut nachzusprechen; es machte den Frauen viel Freude, Sätze zu sagen wie „Ich stehe für mich ein“ oder „Ich sehe die Welt neu“.

Was ich dabei erlebt habe:
Wenn auch die Bedingungen im Land in vielem schwieriger sind als zuhause in Deutschland, so entsteht doch eine besondere Freude, weil die Offenheit der Menschen so groß ist. Centar Fenix hat eine Atmosphäre geschaffen, wo viel Austausch und Begegnung möglich wird; ich fühlte mich innerlich bereichert, in einem solch lebendigen Zentrum mitarbeiten zu dürfen.

Die Menschen hier nehmen Yoga auf, verstehen die universelle Botschaft der Übungsweise, die über die Sprachen, Kultur- und Religionsgrenzen hinweg wirkt; Yoga kann ein Weg sein, bei Verletzungen der Erde und der Seele geduldig den Weg der Selbstheilung wiederzufinden; Yoga kann helfen, Ängste zu überwinden, das Vertrauen ins Leben wachsen zu lassen und den Aufbau einer neuen Welt zu unterstützen

Wie es nachwirkt:
Nach dem zweiten Besuch begann Emina M. außer für Schwangere auch für alle Interessierten Yoga zu geben. Unser Austausch über Mail kann dabei eine inhaltliche und moralische Unterstützung bilden.
Die Situation in Bosnien verlangt von den dort Tätigen sehr viel Eigeninitiative – ein tolles Beispiel ist hier die Betreuerin der Kindergruppe, Fada, die mit wenigen selbst erlebten Übungen  und einem Buch über zwei Jahre kontinuierlich Yoga mit den Kinder praktiziert hat.

Schritte der Unterstützung:
Bisher gab es einige praktische Schritte, mit denen viele Menschen in meinem Umfeld ihre Unterstützung für Centar Fenix zum Ausdruck brachten:

Es gibt viele weitere Ideen von Workshops, Kleidertransporten oder Reisegruppen; die persönlichen Beziehungen und Freundschaften zwischen Menschen sind dabei die Basis, auf der alles gedeiht.

Martha M. Fritsch, Yogalehrerin (DYL und BDY/EYU) und –ausbilderin,
Veröffentlichungen: Fritsch, Martha: Yoga für Schwangere, Darmstadt 2004
Übungs-CD: Yoga für Schwangere, Yoga für Junge Mütter, Darmstadt 2004
Sie ist Mitgründerin von Mandala, Institut für Yoga und Gesundheit in Wetzlar.
In 2009 bietet sie dort u.a. wieder die 9tägige zertifizierte Weiterbildung an „Yoga für Schwangere – Yoga vor und nach der Geburt“.


www.mandala-wetzlar.de







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