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WEITERE ANGEBOTE

und plötzlich war ich wieder bei mir und meinem Kind…

 Schwangerschaft und Geburt sind eine Grenzerfahrung. Worin liegt der Wert der Yoga-Praxis in dieser existenziellen Situation? Gibt es Techniken, die Schmerzen lindern und psychische Stabilität verleihen während der Geburt? Eine Umfrage zum Thema „Auswirkungen von Yoga in der Schwangerschaft auf den Geburtsverlauf“ liefert Antworten.

Welche Effekte und Wirkungen hast du in den letzten Schwangerschaftswochen mit Yoga erlebt? Körperliche? Geistig-seelische? Konntest du Elemente aus dem Yoga nutzen während der Eröffnungswehen? Während der Presswehen? Fragen wie diese sollten mir bei meiner Untersuchung „Auswirkungen von Yoga in der Schwangerschaft auf den Geburtsverlauf“ Aufschluss geben, was Yoga in der Schwangerschaft bringen kann. Auf einem einseitigen Fragebogen sollten Fragen zur Schwangerschaft und zum Geburtsverlauf in eigenen Worten beantwortet werden. Es gab keinerlei vorgefertigte Antworten. So kamen die subjektiven Gesichtspunkte, Erfahrungen, Erkenntnisse und Ausdrucksweisen der Frauen bei mir an. Zudem bietet diese Erhebung  eine Möglichkeit, die Formulierungen dieser Frauen und ihre Erfahrungen einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

So wie die Frauen ja unterschiedliche Kursstunden kennen gelernt haben, waren auch andere Bedingungen ungleich und von mir noch weniger zu beeinflussen: die familiäre Situation, das Vorgehen der Hebammen, die  Bedingungen am Geburtsplatz bzw. in der Klinik.

Rücklauf der Fragebögen

Ein Teil der Frauen, die die Kurse „Yoga für Schwangere“ in den vergangenen drei Jahren besuchten, haben ihren Fragebogen nach der Geburt an mich zurückgeschickt. Einige ausgefüllte Fragebögen erhielt ich von mir nicht bekannten Yogalehrerinnen, die ebenfalls „Yoga für Schwangere“ anbieten. Sie hatten nach meiner Veröffentlichung im Deutschen Yoga-Forum die Fragebögen bei mir angefordert.

Ich gehe davon aus, dass bei den Frauen, deren Antworten ich bekommen habe, eine positive Einstellung gegenüber Yoga für Schwangere vorliegt;

Markante Ergebnisse:

Als erstes wurde danach gefragt, welche Übungen die Frauen im Kurs als besonders wohltuend empfunden haben. Hier erwähnten 40 Prozent der Frauen die Katze bzw. Vierfüßlerübungen, dicht gefolgt vom Krokodil bzw. Drehübungen mit 35 Prozent. Ebenfalls 35 Prozent nannten Entspannungsübungen; nur jeweils 10 – 20 Prozent benennen an dieser Stelle die Stehübungen, das Tönen, das Singen, die Atemübungen oder erwähnen andere Haltungen wie Übungen aus der Seitlage, Partnerübungen oder den Sitz der Kuh. Mehrere Frauen erwähnten darüber hinaus den Wert aller „Rückenübungen“, vor allem für den unteren Rücken als wohltuend, entlastend, stärkend und schmerzlindernd.

85 Prozent der Frauen haben zuhause Yoga geübt. Auch hier wird die Katze (25 Prozent) besonders häufig genannt; das Krokodil und verschiedene Stehübungen werden immerhin auch von je 20 Prozent der Übenden aufgezählt. Die Entspannung erwähnen nur 15 Prozent, dagegen führen 25 Prozent zuhause Atemübungen durch, 35 Prozent sogar praktizieren das Bewegen mit Tönen.
Offensichtlich ist zuhause das Üben einer Tiefenentspannung aus eigenem Antrieb schwierig. Gezieltere Methoden der Entspannung wie Atemführung in den Bauch, tönender Atem oder Bewegungen mit tönendem Atem scheinen dem Bedürfnis der Frauen, etwas für sich zu tun, entgegenzukommen.

Auf die Frage nach der Bewertung der Effekte der Yoga-Übungen während der letzen Schwangerschaftswochen benannten 50 Prozent der Frauen das Entspannen-Können, dicht gefolgt dem inneren Erleben von Ruhe (35 Prozent) und Ausgeglichenheit (20 Prozent). Auch die körperlichen Wirkungen werden deutlich benannt: Linderung von Rückenschmerzen (30 Prozent), mehr Spannkraft und Fitness (20 Prozent).
Darüber hinaus benennen viele Frauen differenziert ihr Erleben in Begriffen wie „Leichtigkeit“, „innere Zufriedenheit“, „Freude“ und „Genuss“.

Das sagen die Frauen

„Meine Atmung wurde definitiv tiefer.“

“Im Treiben des Nestbaus hilft Yoga, sich auf das Kind bewusst zu konzentrieren und ruhiger zu werden.“

„Ich konnte die Atmung oft als „Gruß an das Kind“ einsetzen.“

„…besser zu mir und meinem Kind gefunden; mich besser als Ganzes bzw. als „Teil von etwas Großem“ gefühlt…“

„…keine Angst vor Geburt.“

Auf die Frage, welche Yoga-Elemente sie während der Wehen nutzen konnten, nannten nur 15 Prozent der Antwortenden die Entspannung, 75 Prozent dagegen formulierten „Tiefes, bewusstes Atmen“ oder „Konzentration auf die Atmung“; auch das Tönen oder mit Stimme ausatmen wurde von 45 Prozent der Frauen genannt.
Übungsweisen, die der asana-Praxis näher sind, erwähnten sie hier in einigen Fällen – so der Vierfüßler, die „Öffnung des Beckens“, die gezielte Vorstellung des „Ausatmens durch den Beckenboden“. Immerhin 10 Prozent der Frauen nannten das Entspannen über Farbvorstellungen.

Einige beispielhafte Formulierungen:
„Das wichtigste für mich persönlich aber war das bewusste In-den-Körper-Atmen, was mir bei der Geburt wie selbstverständlich vorkam – ohne Anleitung zum Atmen!“

“Yoga hat mein Körpergefühl verbessert – das hat mir zur Entspannung bei der Geburt geholfen.“

„…Kontrolle und Optimismus, nur wenige Male beim nicht geglückten Veratmen verloren, ansonsten positive Stimmung…“

„… ich geriet in Panik, wie ich das schaffen soll. Dann habe ich plötzlich den Impuls gespürt, in mich hineinzuhören und habe mit meinem Kind gesprochen. Und ganz plötzlich war ich wieder bei mir und meinem Kind…“

Eine Frau mit starken Schmerzen, anstrengenden, langen und starken Wehen: „tiefes, lautes Atmen hat sehr geholfen; trotz langer und anstrengender Geburt möchte ich noch ein Kind“

Zwei der Frauen hatten Dammrisse, eine wegen eines abgespreizten Kindarms. Die Bemerkungen und eigenen Wertungen zeigen, dass gerade da, wo Komplikationen auftraten, der Wert der Yoga-Elemente sehr geschätzt wurde.

Die Geburten der antwortenden Frauen waren so unterschiedlich, wie Menschen eben unterschiedlich sind. Die Dauer der Geburt lag zwischen einer und 20 Stunden, Geburtsort war zumeist ein Krankenhaus (70 Prozent); bei 15 Prozent der Frauen war ein Kaiserschnitt notwendig. Die Geburtsstellung der anderen war mehrheitlich (45 Prozent) eine eher aufrechte Position wie hängender Stand, Hocke, sitzend, im Wasser, auf dem Gebärhocker oder im Vierfüßler. 40 Prozent entbanden liegend. 35 Prozent der Frauen entschieden sich für eine Periduralanästhesie.

Das sagen Hebammen

„.. sehr harmonische Atmosphäre, sehr bewusste, wache, wahrnehmungsgestärkte Frau – toll!“
Hebamme und Ärztin: „Die schönste Spontangeburt seit langem. Ohne Probleme, und du wusstest genau was du wolltest bzw. brauchtest.“

“… hatte den Eindruck, trotz Gesichtslage eine natürliche Geburt machen zu können.“

„…enger Geburtskanal, Mitschieben einer zweiten Hebamme war notwendig, ansonsten super Geburt.“

„Die Hebamme war wegen langer starker Wehen kurz vor der Entscheidung zum Kaiserschnitt, der Kopf des Kindes hat sich nicht eingedreht, Hand und Arm waren abgespreizt; sie hätte nicht gedacht, dass ich noch spontan entbinde.“

Weitere Untersuchungen sind nötig

Die Ergebnisse sind aufschlussreich und können Schwangere, Yogalehrerinnen, Hebammen und MedizinerInnen weiter motivieren. Insbesondere das bewusste Atmen und der tönende Atem bekommen für mich nach dieser Untersuchung einen noch größeren Stellenwert innerhalb des Yoga-Unterrichts für Schwangere.
Es hat Freude gemacht, die Beschreibungen der Frauen zu lesen, zu sehen wie die Bewusstheit über den eigenen Körper und das eigene Leben durch Yoga gefördert werden konnte.
Wünschenswert wäre eine Untersuchung im größeren Rahmen mit festgelegten Übungen vor der Geburt und mit einer Vergleichsgruppe, die nicht übt. Alter, familiäre und gesundheitliche Bedingungen der Frauen könnten berücksichtigt werden. Die Zusammenarbeit mit einer größeren Klinik wäre sinnvoll für eine solche Untersuchung.

Martha M. Fritsch

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